Ausstellung vom 9. März - 20. April 2013 anläßlich des 100. Geburtstages von Heinz Steffens

 

 

Die Kariere eines Künstlers ist von vielen Momenten abhängig. Talent gehört dazu, viel Talent am Besten und nach Möglichkeit in vielen Bereichen. Bei einen Künstler ist natürlich künstlerische Begabung gemeint, aber eben auch deren Kommunikation, deren verbale Behauptung, deren Selbstvermarktung, vielleicht mit Attitüde, Anglerweste oder Baskenmütze. Ein flott um den Hals geschwungener Schal aus Seide tut es manchmal auch. Abhängig ist die Kariere auch von der Zeit. Ihr voraus zu sein ist gut, wenn man erst nach dem Tode berühmt sein will. Hinterher zu hinken ist schlecht, sogar traurig, ohne dies erläutern zu müssen. Mit der Zeit zu sein, zeitgenössisch zu sein ist schwer, da dies zum einen bedeutet, der Zeit nur ein wenig voraus zu sein, ein- zwei Jahre oder Minuten höchsten und zum Anderen ist es schwer, weil die Zeit nie still steht. Die Zeit schreitet einfach voran, obwohl es ab und an so aussieht, als läuft sie rückwärts, oder seitwärts oder einfach falsch. Und da ist dann noch das Glück, welches auch der Künstler braucht, damit seine Bilder das Atelier verlassen, den Weg zum „richtigen“ Publikum finden. Das Glück Bilder verkaufen zu können, das Glück in einer Zeit oder einem Land zu leben, wo Bilder wichtig sind, wichtiger als Brot.

Heinz Steffens hat an der Burg studiert, 1931-33, bei Erwin Hahs und Charles Crodel. Er hat Halle-Kolorit inhaliert und formale Strenge und Genauigkeit schätzen gelernt.
1933 ist er nach Berlin gegangen, in die Metropole, um bei Prof. Cesar Klein Meisterschüler zu werden. Der Zeitpunkt war alles andere als günstig. Die Nationalsozialisten ergriffen die Macht. Der renommierte und etablierte Maler, Bühnenbildner und Pädagoge, den Mies van der Rohe gern am Bauhaus gesehen hätte, dieser Prof. Cesar Klein wurde beurlaubt und bekam Malverbot. Sein spätexpressionistischer Stil wurde praktisch geadelt als entartet, obwohl das wohl niemand so empfunden hat. Ausgestellt hat er in den nächsten 12 Jahren nur noch einmal - 1937 bei der berüchtigten Ausstellung „Entartete Kunst“ im Haus der Kunst in München. Trotzdem nahm Cesar Klein Steffens als seinen Meisterschüler bis 1938, wie genau dies ablief entzieht sich leider meiner Kenntnis.

Nun, es ist die Periode des 1000-jährigen Reiches und die der Moderne, die wir heute auch als die klassische bezeichnen. Steffens Arbeit ist nicht nur geprägt von der künstlerischen Suche, sie ist auch ein Statement zum Geschehen. Sein ringen um Form, um Abstraktion ist auch Ausdruck einer Haltung, vielleicht einer politischen oder zumindest einer, die mit seinem Meister solidarisiert. Es war eine Zeit, in der Künstler scheinbar so wichtig waren, dass man sie mit Malverbot bestrafen konnte, wohl wissend, dass dies für einen Künstler nahe an die Höchststrafe grenzt.
Mit diesem Hintergrund bekommen Pinselstriche eine ganz andere Bedeutung oder genauer formuliert hat jeder Pinselstrich eine Bedeutung. Steffens malt abstrahierte Seelandschaften, die möglicherweise in der Nähe von Lübeck entstanden sind, wohin sich Prof. Cesar Klein zurückgezogen hatte. Wunderbare Blätter entstehen, farblich delikat, gekonnt komponiert, gebaut. Die Natur ist lediglich Anregung - inspiriert erfolgt die Umsetzung im Atelier.

Parallel entstehen rein abstrakte Werke, Farb-, Form und Strukturexperimente. Begleitet wird die alles von zahlreichen Studien, Akten, Bewegungen. Das Fischmotiv taucht auf, vielleicht weil Abtauchen eine schöne Alternative wäre, vielleicht steht der Fisch auch für christliche Werte, die sich gerade etwas verflüchtigen.

Dann beginnt der Krieg und Steffens wird eingezogen. 7 Jahre später kommt er aus der Gefangenschaft zurück ins zerstörte Deutschland - er geht nach Hause, nach Bernburg und bleibt dort, arbeitet dort weiter, relativ zurückgezogen, in Bescheidenheit.
Inzwischen gibt es ein neues Regime mit einer Formalismusdiskussion und dem sozialistischen Realismus als Doktrin, dies kommt Steffens erneut nicht entgegen. Erst Ende der 60-iger Jahre lockern sich die künstlerischen Dogmen in der DDR etwas und so bekommt auch Steffens erste öffentliche Aufträge und lokale Anerkennung.

Otmar Träger, der ehemalige Direktor des Bernburger Museums schrieb über ihn:

„Die Sille genügte dem Bernburger Maler. Allein aus ihr heraus entstand im Laufe seines Lebens ein Gesamtwerk, das bis heute von Harmonie, Würde und makelloser Schönheit gekennzeichnet ist.“

Steffens wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden und die Galerie Nord begeht dieses Jubiläum mit dieser Ausstellung. So hat Steffens am Ende das Glück, einen Galeristen gefunden zu haben, dem unbestechlich nur die Qualität der Arbeiten interessiert. So bleibt Steffens Werk über den Tod hinaus lebendig, nicht nur das Werk, auch der Künstler.

 

Jens Gussek

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